Die Alice-Odysee
Alles fand mit einer Beantragung eines Telefon- und DSL-Anschlusses Ende November 2006 einen Anfang. 29€ monatlich für eine ADSL-Flatrate mit 4MBit/s und Telefonanschluss klang ganz verlockend, vor allem da es in meinem privaten Umfeld schon einige zufriedene Kunden gibt.
Endlich im Januar wurde mit SMS mitgeteilt, dass am 10. Januar die Anschluss-Inbetriebnahme erfolgen sollte. Doch wurde ich an dem Tag 5min vorher ins Büro geordert.
Am Abend des selben Tages fand ich heraus, dass der Mitarbeiter genau 5min später, um 9:33 vor Ort war. Natürlich setzte ich mich sofort mit der Hotline in Verbindung. Ein neuer Termin wurde auf den 16. Januar ausgehandelt.
Zwischenzeitlich erhielt ich dann die Hardware, stellte fest, dass es sich um einen Siemens Sl2-141 Modem/Router handelte, und wurde an der Service-Hotline auf der Frage nach den Zugangs-Passwörter für die Web-Oberfläche zurückgewiesen. Der erste sagte, es handle sich um eine Bridge und kein Modem (?!), der andere sagte mir es sei ein Leihgerät, und deswegen sei es unmöglich Zugangsdaten herauszugeben.
Der neue Termin: Etwas misstrauisch – da es keine erneute Bestätigung per SMS gab – wartete ich bis etwa 11:00. Nachdem ich schon vor 8:00 aus dem Bett fiel, und deswegen etwas missgelaunt war, musste ich mir nach etwa 5min Wartezeit auf der Hotline anhören, dass „damals“ ein Mitarbeiter der Serviceline, zwar nur einen Vermerk hinterlassen hat, aber kein neuer Termin in Auftrag gegeben wurde. Eine Unterbrechung des Telefonats durch einen privaten Anruf beim Alice-Mitarbeiter folgte, erst mit ein paar Phrasen aus seinem Privatleben, dann plötzlich ohne Ton. Als ich mich gerade anfing zu Fragen, ob ich aus der Leitung geflogen bin, teilte er mir den 18. Januar als neuen Termin mit. Natürlich gibt es bei fest vereinbarten Terminen keine Bestätigungs-SMS mehr.
Am 17. Januar gab es erst einmal ein Intermezzo, mit einem Alice-Schreiben, dass mich darauf hinwies das ich den ersten Termin verpasste.
Also wartete ich am 18. Januar noch bis 10:30, als ein Telekom-Mitarbeiter kam, und erst einmal feststellte, dass meine Telefondose ausgewechselt werden müsste. Das ging Gott-sei-Dank kostenlos, und auch das anschließen der zwei losen Kabel imverschlossen Schrank im Keller des Mietshauses ging schnell! Endlich wieder ein eigener Telefonanschluss!
Kurz checkte ich dann mal die Internet-Connection und nach erfolgreichem Versuch ging ich in die Firm – es hatte ja Zeit bis zum Abend.
Dann zum Internetzugang: Am Abend hingegen hielt die Verbindung mit mehreren Einwahlversuchen und drei Disconnects, bzw. „toten“ Netzverbindung (d.h. kein DNS-Resolving) genau drei Stunden. Das Modem hatte zwar ne IP, war aber insgesamt nur über eine PPPoE-Connection ansprechbar, somit als reines Modem konfiguriert. Egal, für’s Erste, außerdem hatte ich wneig Zeit.
Einen Tag später: etwa 2h rumporobieren mit Windows-Treibern (cFos & RASPPoE), da kam ich gerade noch einmal 15min online. Zwecks fehlender Diagnosemöglichkeiten dachte ich mein Windows sei im Arsch, oder das Modem würde wohl irgendein propritäres Alice-Protokoll verwenden (Ok, ist Schwachsinn). Aber die Zeit war mir echt zu Schade!
Das PPP-Lämpchen am Gerät war zudem aus. Was sollte das bedeuten? Keine aktuell laufende Verbindung oder überhaupt keine Verbindung?
Am Abend des Samstages hielt ich noch schnell für einen DSL-Modem/Router ausschau, um erstens einen eigenen zu besitzen, und zweitens ein zuverlässiges Gerät zu besitzen (mit dem ich es evtl. probieren könnte).
Dann war es ja erstmal Wochenende, und Montags ging es wieder los mit rumprobieren: Ich starte mit Kubuntu hoch und versuchte dort eine Verbindung anzulegen – nada! TCP/IP war da, nur kein PPPoE. Schließlich meldete der RASPPPoE-Assistent zum Anlegen von neuen Verbindungen auch, dass kein PPP-Service im Netz verfügbar wär.
Schließlich fand ich am Abend nach der Arbeit im Hansenetz-User-Forum einige Background-Infos, und zudem die Zugangsdaten für den Router! Tatsächlich hatte ich also Recht behalten, und es handelte sich um einen Router! Verdammte Alice-Typen!
Mit den Zugangsdaten, den Diagnose-Tools auf dem Router und dem DMT (DSL Modem Tool) konnte ich schließlich feststellen, dass mit der Leitungsqualität alles in Ordnung ist. Zwischenzeitlich hatte ich nämlich sogar angenommen, andere WLANs oder mein schnurloses Telefon, oder mein nicht abgeschirmte Kabel könnten das Signal stören.
Der Router meldete eindeutig, dass zwar der Ping zum PPP-Server ok war, aber dass nichts zurück kam. Zudem gab es Probleme mit OAM4.
Mit den frisch gewonnen Kenntnissen konfrontierte ich am 30. Januar schließlich die Alice-Hotline und stieß überraschender Weise sofort auf einen kompetenten Mitarbeiter. Der sagte zwar, ich sollte zu Hause sein und dass Modem angeschaltet haben, hat aber dann wohl doch einfach auf einen anderen Radius-Server geschaltet.
Als ich an dem Abend zu Hause war lief plötzlich alles. Zwar wurden bei der Router Konfig meine Kenntnisse von Netzwerker (NAT, RIP) etwas auf die Probe gestellt, aber das Ding läuft jetzt als Router und hält die Verbindung zum Netz! Kein PPPoE mehr, OAM4 meldete zwar immer noch einen Fehler, aber vor allem vor allem eine stabile Verbindung!
Und wer jetzt auch einen Siemens SL2-141 von Alice hat:
- Am besten einfach Assisten zum Anlegen von PPPoE-Verbindungen im Router verwenden! Er scannt auotmatisch auf verfügbare Verbindungen!
- NAT muss an sein, sonst könnt ihr noch so viele Gateways bei eurer TCP/IP Verbindung angeben!
- Vorsicht bei neuer Firmware! Erst einmal Versionen abgleichen!
- Vorsicht auch bei Config-Dateien aus dem Hanse-Net-User-Forum. Erst vergewissern, dass die vergebenen Passwörter richtig gesetzt sind. Ansonsten einfach die XML-Config vorher editieren. Und Backups nicht vergessen!
Weitere Sicherheitsbedenken bei Alice:
- PPPoE Verbindung: Das heißt erst einmal, dass der Computer des Nutzers direkt am Internet dranhängt. In den meisten Fällen wird hier keine Firewall aktiv sein, und liebe Leute, die Windows-Firewall ab XP ist eh nur ein Portblocker!
Ein normales DSL-Modem/Router wäre wohl einfacher zu konfigurieren, und auch viel sicherer! - Die normale Nutzerkennung bei Alice besteht aus Nutzername = Telefonnummer und Passwort = Geburtsdatum. Mit etwas Glück finde ich zu jeder Alice-Telefonnummer in Google das entsprechende Passwort! Wie toll!
Und dann noch:
- Zur Hardware (Modem/Router) wird keine Bedienungsanleitung mitgeliefert!
- Wenn Probleme vorliegen hat der normale Nutzer keinerlei Zugang zu Diagnose-Tools und muss sich anhören, es läge an seinem Rechner! (Thema: „Installieren sie Windows neu!“ – „…aber ich benutz doch Linux!“)
- Der normale Nutzer hat keine Möglichkeit, den Namen des WLAN Netzes „ALICE-WLAN“ zu ändern, oder auszuschalten. Ich finde das tierisch doof, gleich allen mitzuteilen, dass man Alice-Kunde ist!
- Unbestritten ist Hersteller-Software schrottreif. Auf der Suche nach den Modem-Handbüchern konnte sie aber nicht installieren, da das Alice-Setup nur Windows XP in deutscher Sprache abdeckt. Her sollten sie mal an Nutzer anderer Systeme denken!
- Lieber einfach einen Zettel mit allen wichtigen Daten mitliefern, denn mit „1. CD einlegen“, „2. Anweisungen auf dem Bildschirm folgen“
und „3. Fertig!“ ist bei den nicht drin!
Trotzdem Alice ist billiger als Telekom und im Moment mit 4MBit/s ADSL zuverlässig und reicht für mich! Trotzdem verstehe ich nicht, warum sie Kunden einen 200€ Modem/Router hinstellen und es mit Ihrer Config zum 60€ Model degradieren (siehe Siemens Gigaset). Das Ding ist nämlich echt ein Top-Gerät!
Juli 22nd, 2007 at 19:23
[...] Dateien“ für die ganze Stadt - Alice und Sicherheit sind Fremdwörter (siehe auch hier): http://www.golem.de/0707/53628.html http://www.heise.de/netze/news/meldung/93054 Filed under [...]